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Eltern, Lehrer, Ärzte und Psychotherapeuten fordern erneut mit Nachdruck die schnellstmögliche Einführung der 9-jährigen Schulzeit an den Gymnasien.

 

Elternwille achten --- Turbo-Abi abschaffen! Schulpolitik gegen Elternwillen ist auf Dauer unhaltbar! Der Verweis auf Gesamtschulen und Berufskollegs hilft nicht!

Zahlreiche Studien zeigen, dass G8 von Eltern und Schüler/innen abgelehnt wird. Erst vor Kurzem hat die vom „Stern“ in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage diesen Trend bestätigt: Bundesweit plädiert eine überwältigende Mehrheit von 72% der Bevölkerung für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Selbst in den neuen Bundesländern hat sich das Blatt gewendet: Auch der Landeselternrat in Brandenburg und der Philologenverband in Mecklenburg-Vorpommern fordern nun, an Gymnasien das Abitur wieder nach Klasse 13 zu ermöglichen. Mittlerweile sprechen sich acht Landesverbände des Deutschen Philologenverbandes für die neunjährige Gymnasialzeit aus. In Hessen hat die Landesregierung die Wahlfreiheit erlaubt und dadurch sind fast 75% der Gymnasien zu G9 gewechselt. Jetzt dürfen in Hessen auch die Klassen 5 bis 7 aus dem laufenden G8 in G9 umsteigen. Mit Niedersachen geht in Kürze ein ganzes Bundesland zurück zu G9.

„Die nordrhein-westfälische Landesregierung isoliert sich zunehmend durch ihr starres Festhalten an G8. Sie missachtet eklatant den Elternwillen und regiert an der breiten Mehrheit der Bevölkerung vorbei. Das bleibt nicht ohne Folgen!“, stellt A. Nostadt, Sprecherin der landesweiten Bürgerinitiative familiengerechte Schule und Bildung, G-ib-8 fest. „In NRW ist man zur Strategie der Machtpolitik übergegangen, vorbei an den Interessen der Basis und orientiert sich an einer Handvoll Elternfunktionären und Verbandsvertretern, die seit Jahren versuchen, G8 schönzureden. Diese Personen haben meist keinen Kontakt zum G8-System, weder durch eigene Kinder noch durch eigene Unterrichtspraxis, wie z.B. Herr Silbernagel vom DPhV NRW!“, so Nostadt. „Vordergründige verbandspolitische Gründe, wie die Absicht, über G8 und den Ganztag mehr Lehrerstellen an die Gymnasien zu bekommen, dürfen nicht die Grundlage sein für ein Festhalten am offensichtlich gescheiterten G8. Auch die Idee, dass durch G8 nur Eliteschüler das Gymnasium besuchen würden, ist schlichtweg widerlegt und zudem ein Zeichen für Ausgrenzung im Bildungssystem!“, kritisiert die seit Jahren für die Gymnasien engagierte Psychotherapeutin.

„Es gibt einen gravierenden Niveauverlust bei gleichzeitig gewaltigem Druck für die Kinder und Jugendlichen an den Gymnasien. Diesen Zustand muss eine verantwortungsvolle Bildungspolitik zügig abschaffen!“, betont M. Hohenstein von der Elterninitiative G9-Jetzt in NRW. „Das Bildungsministerium versucht seit Jahren, mit sogenannten „Verbesserungsmaßnahmen“ den Bürgern Sand in die Augen zu streuen. G8 ist ein Konstruktionsfehler mit fatalen Folgen, da hilft auch kein Schönreden!“, so der Studienrat. „Es handelt sich um eine Verschleierung der Tatsachen, wenn die Bildungsministerin von „Wahlfreiheit“ zwischen acht und neun Jahren spricht und auf Gesamtschulen und Berufskollegs verweist. Eltern wollen sich nicht von der Bildungsministerin bei ihrer Wahl der Schulform die Pistole auf die Brust setzen lassen. Wenn Eltern G9 für ihre Kinder wünschen, müssen sie - nach dem Willen von Frau Löhrmann - die Gesamt- oder Gemeinschaftsschulen wählen! Dabei müssen sie gleichzeitig den gebundenen Ganztag ab der 5. Klasse in Kauf nehmen.“

Aus der JAKO-O Bildungsstudie von 2012 geht hervor, dass bundesweit 66% der Eltern keine Ganztagsbeschulung wünschen. „Eine Schulpolitik, die Menschen in den Ganztag zwingt, nur weil sie G8 ablehnen, ist unverantwortlich. Vielmehr müssen die Gymnasien mit G9 wieder vom Nachmittagsunterricht in Unter- und Mittelstufe frei sein. Dann erst kann eine gute Übermittagsbetreuung mit Hausaufgabenhilfen und freiwilligen Arbeitsgemeinschaften angeboten werden“, so Hohenstein. „Man muss das Ganze auch aus dem gesundheitlichen Blickwinkel betrachten: Wir müssen unseren Kindern und Jugendlichen wieder mehr Raum und Zeit für Ruhe und Entwicklung geben. Das Lernen von eigener Urteilsbildung gründet auch in dem Erleben von Freiräumen und in selbstbestimmtem Handeln. Beim Erwerb eines Berufes mit Hochschulreife setzen wir eine stabile Persönlichkeit voraus. Um diese zu entwickeln, benötigen junge Menschen ein Gymnasium mit neun Jahren und keinen verpflichtenden Ganztag“, so die Psychotherapeutin Nostadt.

Deshalb fordern die „Bürgerinitiative familiengerechte Schule und Bildung G-ib-8“ und die Elterninitiative „G9-jetzt!“ mit ihren Fachleuten aus dem Bereich Pädagogik, Medizin und Psychotherapie, dass 

die Landesregierung schnellstmöglich ein Gesetz erwirkt, das die Regelschulzeit von 9 Jahren an Gymnasien zum nächsten Schuljahr vorsieht,

die Landesregierung zum nächsten Schuljahr auch jenen Schüler/innen, die sich derzeit in G8 befinden, in die G9-Laufbahn zu wechseln erlaubt.

die Landesregierung die Erhöhung der Wochenstundenzahl der Sekundarstufe 1 aus dem Jahr 2005 an allen Schulen (Gymnasien sowie Haupt-, Real- und Gesamtschulen) zurücknimmt (APO S1), sodass der reguläre Unterricht wieder im Halbtagsbetrieb erteilt werden kann. 

die Landesregierung Schüler/innen, die ein achtjähriges Abitur wünschen, ermöglicht, dies durch individuelle Förderung und Überspringen zu erwerben.