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Der Widerstand von Eltern, Lehrern und Schülern gegen das Turbo-Abitur und die Langtage an den Gymnasien in NRW erreicht eine neue Stufe.
Im Jahr 2012 startete die Schülerin Merle Ruge eine Online-Petition gegen das Turbo-Abitur in NRW. Am 19. März 2013 wurde diese Petition mit 10.225 Unterzeichnern dem Petitionsausschuss vorgelegt.

Die politisch Verantwortlichen belächelten die Schülerin.

Im April 2014 startete die Elterninitiative g9-jetzt-nrw.de eine Volksinitiative gemäß Landesverfassung. Am 20. April 2015 brachten 30 Aktive aus allen Teilen des Landes 71 Aktenordner mit 112.355 Unterschriften in den Landtag. Für 99.071 konnte die Bestätigung des Wahlrechts der Heimatkommune vorgelegt werden.

Die Abgeordneten der Regierungsfraktionen bezeichneten das Anliegen der Bürger in der durch die Volksinitiative erzwungenen Debatte als "Zurückdrehen der positiven Unterrichtsentwicklung" an den Gymnasien. Stattdessen wurde den Eltern damit gedroht, dass der Weg des Zwangsganztags weiter vorangetrieben werde.

Inzwischen haben beide Regierungsparteien damit begonnen, das Thema Turbo-Abitur in ihrem Sinne umzudefinieren: keine Rücknahme des Nachmittagsunterrichts und der inhaltlichen Entleerung des Gymnasiums. Stattdessen soll unter dem Schlagwort "Flexibilität" auf das jetzige Modell wahlweise ein weiteres Jahr unter gleichen Bedingungen draufgesattelt werden.

Bereits im Jahr 2010 haben die jetzigen Regierungsparteien mit Ihrem "Schulversuch G9" etwas Ähnliches versucht, um die G8-Probleme um ein Jahr zu verlängern. Damals haben 13 Schulen im Land vorübergehend ein verlängertes G8 - kein bewährtes G9 - angeboten. Die Schulen weigerten sich in überwältigender Mehrheit, diese Mogelpackung anzunehmen.

Nun bleibt den Eltern keine andere Möglichkeit, als den Weg des Volksbegehrens einzuschlagen. Seit dieser Woche liegt die Erlaubnis des Landeswahlleiters vor, für die Zulassung des Volksbegehrens Unterschriften zu sammeln. Diese 3000 Unterschriften sind notwendig, um den Prozess des Volksbegehrens zu starten. Nach Bestätigung des Wahlrechts aller Unterzeichner durch die Heimatkommunen werden die gesammelten Unterschriften wahrscheinlich noch in diesem Jahr dem Landeswahlleiter vorgelegt, so dass das Volksbegehren mit dem neuen Jahr 2017 starten kann.