Drucken

Die Bertelsmann-Stiftung hat kürzlich zum wiederholten Male den massiven Ausbau der gebundenen Ganztagsschulen gefordert.

Im Gegensatz dazu lehnen die Betroffenen (Eltern, Schüler und Lehrer) die gebundene Ganztagsschule ab. Dies geht aus der repräsentativen Befragung unzweifelhaft hervor, die Prof. Dollase unlängst im Auftrag der Landeselternschaft der Gymnasien durchgeführt hat.

Über 25.000 Eltern von Gymnasialkindern in NRW haben verschiedene Formen der zeitlichen Gestaltung der Schule bewertet. Dabei schnitt die gebundene Ganztagsschule mit Abstand am schlechtesten ab. In der Skala der Schulnoten von 1 bis 6 erhielt die gebundene Ganztagsschule im Schnitt die Note 4,9 (5 Tage Nachmittagspflicht) bzw. 4,16 (3 Tage Nachmittagspflicht). In der Elterngunst ganz vorn liegt die offene Ganztagsschule mit freiwilligen Angeboten am Nachmittag (Note 2,36) und die Halbtagsschule (Note 2,84).

Selbst die Eltern, deren Kinder auf einer gebundenen Ganztagsschule sind, beurteilen zu 41 % diese Schulorganisation mit der Note 6 (ungenügend).

Diese Einschätzung der Eltern wird auch durch eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin bestätigt. Adrian Hille, C. Katharina Spieß und Mila Staneva haben die Entwicklung der Nachhilfe bundesweit untersucht. (DIW Wochenbericht Nr. 6/2016)
Dabei kommen sie zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Kinder, die Nachhilfe bekommen, für Ganztags- und Halbtagsschulen identisch ist (13 % der 6- bis 16-jährigen Schüler). Während die Ganztagsschul-Befürworter eine elternunabhängige Förderung der Kinder versprechen, schlägt sich der Besuch einer Ganztagsschule aber nicht in einer geringeren Inanspruchnahme kommerzieller Nachhilfe nieder. Noch dazu müssen die Ganztagsschüler die Nachhilfe in ihrer rudimentär verbliebenen Freizeit aufsuchen.